Interview mit Ulla Lötzer, neue Vorsitzende von „Werden hilft“


Die WAZ interviewte Ulla Lötzer, die neue Vorsitzende von „Werden hilft“

 

 

—-wir geben den Artikel von Daniel Henschke (WAZ Essen) hier wieder——————————

Essen-Werden (06.07.2016)

Ulla Lötzer ist neue Vorsitzende von „Werden hilft“

Sie appelliert an ihre Mitbürger, sich verstärkt einzubringen. Was sie mit dem Verein vorhat, erzählt sie im Interview mit der Zeitung.

Als Fünfjährige zog sie nach Fischlaken. Nun wohnt sie wieder im Elternhaus am Gülterberg und wollte eigentlich ihren Ruhestand genießen. Der ist aber eher ein „Un-Ruhestand“ – Ursula (Ulla) Lötzer ist neue Vorsitzende von „Werden hilft“ und hat mit dem Verein viel vor: „Wir werden einen Gesprächskreis gründen, wo über Werte, über Demokratie diskutiert wird. Was erwartet die Flüchtlinge in Deutschland, was erwarten sie von Deutschland? Auch werden wir uns verstärkt um Bildung kümmern, zu einer Mitgliederversammlung mit dem Thema Asyl eine Rechtsanwältin einladen. Man hat sich zu viel in den Strukturen getroffen und das große Ganze stand zurück.“

Die studierte Informatikerin wurde Gewerkschafterin, ging dann in die Politik, insgesamt zwölf Jahre lang war sie für „Die Linke“ Mitglied des Deutschen Bundestages. Nun sitzt sie in der Bezirksvertretung im Essener Süden. Ulla Lötzer vergießt ihr Herzblut für die Sache der Flüchtlinge.

Der Verein entstand in einer Phase, als noch Willkommenskultur die Maxime war, aber schon offen Ressentiments zu Tage traten. Lötzer erinnert sich, aber ungern: „Ich war geschockt! Dann kam der Aufruf vom Andreas…“ Andreas Brinck gründete spontan „Werden hilft“, ein Sammelbecken verschiedenster Charaktere, die Asylsuchenden helfen möchten. Brinck wurde Vorsitzender, ihm folgte Stefan Dohrmann. Beide müssen inzwischen aus beruflichen Gründen kürzer treten, Ulla Lötzer wurde als Nachfolgerin gewählt. Und krempelt die Ärmel hoch: „Sicher sind etwa nach der Silvesternacht von Köln Leute weggeblieben. Der Verein muss wieder attraktiver werden für bestehende und auch für neue Mitglieder. Denn unser Spektrum ist inzwischen so breit, dass wir dringend mehr Helfer benötigen: Für Patenschaften, Arbeitskreise, Kleiderkammer. In der ehemaligen LVR-Klinik leben über 100 Kinder, da suchen wir Lese- und Spielpaten.“
Missverständnisse und Chancen

Ulla Lötzer ist bestürzt: „Was wir da für Elendsbilder sehen, was treibt Menschen zu so einer lebensgefährlichen Flucht? Alles ist besser, als in Angst zu bleiben. Eine von mir betreute Familie musste mit ansehen, wie der Onkel auf offener Straße umgebracht wurde, nur weil er zufällig neben einer Demo stand.“
Hintergrund
Inhaltliche Arbeit

Der Verein „Werden hilft“ ist eine überparteiliche und überkonfessionelle Initiative von Bürgerinnen und Bürgern, die sich für Flüchtlinge einsetzt. Er wird von Ulla Lötzer und Jochen Müller geführt, mit im Vorstand sitzen Nora Freier, Heidi Trappmann-Klönne, Doris Wattad, Peter Bruckmann und Christos Dimkos.

In Arbeitskreisen wie Integration, Kommunikation, Netzwerk/Spenden, Sprache oder Kleiderkammer wird die inhaltliche Arbeit des Vereins geleistet.
Ullrich Indersmitten kümmert sich um die Homepage, sammelt auf „werdenhilft.de“ Informationen und Neues rund um die Flüchtlingshilfe.

So eine Patenschaft für eine Flüchtlingsfamilie bringt die Ehrenamtlichen auf Trab. Da gibt es unzählige Behördengänge zu begleiten, Wohnungen suchen, Mobiliar, nicht alles klappt. „Manchmal sagt man dann einfach nur: Tja, so sind sie halt!“ Die verschiedenen Kulturen sorgen oft für Missverständnisse, bergen aber auch Chancen: „Man lernt viel Neues kennen. Da sind Freundschaften entstanden.“

Böse wird Ulla Lötzer bei Sätzen wie „Sie müssen sich integrieren!“ Das wollten die Flüchtlinge ja, doch unzählige Hindernisse stehen dagegen: „Ihnen werden Steine in den Weg gelegt. Warum braucht ein Syrer mit Bleibeperspektive erst eine schriftliche Genehmigung für einen Deutschkurs und muss darauf Monate warten? Da könnten Abläufe gestrafft werden.“ Ulla Lötzer appelliert an die Werdener, sich verstärkt einzubringen: „Ohne Ehrenamtliche geht es nicht, wir brauchen noch mehr helfende Hände. Die Flüchtlinge möchten doch nur in Frieden leben. Man muss diesen armen Menschen doch helfen.“

———— zum Originalartikel

 

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