PRESSEMITTEILUNG 06.02.2016: Runder Tisch Volkswald / Werden hilft e.V.


Das Zeltdorf Volkswald am 06.02.16

Polizei am Zeltdorf Volkswald / Mini-Demo der Bewohner

Im Zeltdorf am Volkswald hat es überraschenderweise eine starke Veränderung in der Belegung gegeben.

An diesem Wochenende wurden alle Familien und Frauen in andere Einrichtungen verlegt, dafür wurden alleinstehende Männer in den Volkswald verlegt. Ungefähr die Hälfte der nun rund 190 Menschen dort sind „neu“.

Diese Maßnahme wurde sehr plötzlich durchgeführt: Die Flüchtlinge wurden erst am Vorabend darüber informiert und auch unser Runder Tisch wurde vor vollendete Tatsachen gestellt.

Am Freitag, den 5.2., hat sich der Runde Tisch Volkswald mit Vertreten der European Homecare GmbH (EHC) und der Stadt getroffen.

Wir haben bei dieser Gesprächsrunde unsere große Bestürzung über diese Maßnahme an sich und die mangelnde Kommunikation im Vorfeld ausgedrückt. Auch, dass unser Vertrauen in die Zusammenarbeit erschüttert ist. Von EHC und Stadt wurde uns deutlich Bedauern über die Notwendigkeit dieser, viele Härten mit sich bringenden, Maßnahme ausgedrückt. Es wurde auch eine Entschuldigung für die äußerst kurzfristige Information über die Maßnahme formuliert. Und es wurden die Hintergründe erläutert, die zu dieser Maßnahme geführt haben. Es ging darum, Schwierigkeiten, die durch die Belegung von Zelten mit Familien und mit alleinstehenden Männern entstanden, auszuräumen, außerdem, die Belegungs-Kapazitäten voll ausschöpfen zu können und den Schwierigkeiten in der Unterkunft in Karnap zu begegnen.

Der Runde Tisch hat Gegenfragen und –vorschläge eingebracht: z.B. die bereits vorhandenen Aktivitäten zur Wohnungsvermittlung zu unterstützen. Das alles wurde von EHC und den Vertreten der Stadt angehört und ernst genommen. Es wurde aber auch deutlich, dass die Kapazitäten der Hauptamtlichen, besonders auch in der Stadtverwaltung, zur Zeit so an ihre Grenzen stoßen, dass manches an sinnvoller und wichtiger Unterstützung derzeit bedauerlicherweise nicht geleistet werden kann.

Nach diesem intensiven Austausch wurden erste kleine Schritte für die Weiterarbeit ins Auge gefasst. Dabei betonte EHC, wie wertvoll die Angebote des Runden Tisches Volkswald für die Flüchtlinge im Volkswald sind. Es wurde darum gebeten, diese fortzuführen. Dabei wurde besonders darauf hingewiesen, dass im Volkswald jetzt nicht nur „junge, allein reisende Männer“ wohnen, sondern auch allein reisende Männer, die Familienväter sind, die Berufe erlernt und ausgeübt haben.

Es wurden Verabredungen für die Weiterarbeit getroffen. Die bisherigen Angebote finden weiter statt; lediglich die Frauen- und Kinder/Jugend-spezifischen Angebote werden modifiziert, neu konzipiert oder beendet. Eine neue Willkommensaktion für die „neuen“ Bewohner wurde angeregt.

Der Runde Tisch Volkswald hofft zuversichtlich darauf, dass die Ehrenamtlichen wieder neu Vertrauen fassen in die Menschen, die im Zeltdorf wohnen, in die Zusammenarbeit der Beteiligten einschließlich EHC und Stadt, und dass sie dabei auf die eigenen Fähigkeiten und positiven Erfahrungen bauen, die sie selbst bisher schon in ihrem Engagement machen konnten.

Wir sind überzeugt davon, dass das Engagement der Menschen hier im Stadtteil sinnvoll und notwendig ist. Ebenso, dass es immer noch eine Basis für die Weiterarbeit gibt, auf der Vertrauen neu wachsen kann. Und auch, dass der gute Wille aller Beteiligten zum Guten unseres Gemeinwesens beitragen wird.

Am Samstag, 6. Februar, sind ca. 40 ehemalige Bewohner zurück ins Zeltdorf gekommen, um auszudrücken, dass sie mit dem unfreiwilligen Umzug nicht einverstanden sind und zurück in den Volkswald möchten. Zum einen sind die Lebensumstände in den neuen Unterkünften aus ihrer Sicht deutlich schlechter, aber auch der familiäre Charakter, wo man wie im Volkswald einander vertraut, fehle dort. Die „kleine Demonstration“ wurde sehr schnell von Polizeikräften beaufsichtigt, die uns Ehrenamtlichen durch unangemessen harsches Vorgehen auffiel. Die Flüchtlinge hatten Gelegenheit, der Presse, aber auch Sozialdezernent Herrn Renzel, der kurzfristig hinzugekommen war, ihr Anliegen zu schildern. Herr Renzel lehnte die Forderungen als nicht machbar ab. Auch einige Ehrenamtliche waren schnell vor Ort. Unser Hinweis, dass wir diese Entscheidung sehr bedauern und insbesondere über die Paten und das Begegnungscafé den Kontakt zu vom Volkswald weg verlegten Flüchtlingen halten möchten, konnte die Stimmungslage nur leicht verbessern. Dennoch löste sich die Versammlung friedlich auf. Herr Dohrmann brachte gegenüber Herrn Renzel zum Ausdruck, dass der Runde Tisch Volkswald/WerdenHilft weder in der Lage noch willens ist, weitere Verlegungen auf diese Art und Weise und in diesem Umfang mitzumachen. Aus unserer Sicht ist es enorm wichtig, mit der Integrationsarbeit bereits im Zeltdorf zu beginnen, um den Menschen zu helfen und Konflikte im Stadtteil zu vermeiden. Daher sollte es unbedingt vermieden werden, erfolgreich laufende Integrationsprojekte wie dieses durch Verwaltungsmaßnahmen zu behindern.

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